Wann hören wir zu? Von morgens bis abends sind wir auf senden programmiert, verschicken Mails und Kurznachrichten, posten, twittern und verarbeiten eine riesige Informationsmenge, die uns auf mehreren Kanälen erreichen. Dabei gerät die zweite Seite der Kommunikation, das Zuhören, aus dem Blick.

Zuhören verlangt, das Sie Ihre Konzentration aktiv auf ein Thema Lenken, dass Sie zu diesem Thema Fragen haben, neugierig sind oder einfach merken, dass es spannend sein kann, sich damit zu befassen.

Zuhören fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und hat deshalb auch eine gesellschaftliche und politische Dimension. Wir unterschätzen oft, wie stark die Art wie wir miteinander umgehen, sich auf unser Miteinander und unser Wohlbefinden auswirkt.

Wir unterschätzen oft, wie stark die Art wie wir miteinander umgehen, sich auf unser Miteinander und unser Wohlbefinden auswirkt.

So wie wir anderen zuhören und bewerten, so gestalten wir auch oft unsere innere Kommunikation. Was nicht ins Selbstbild passt, wird kritisiert und ignoriert. Wenn ich mir jedoch zuhöre und sensibler werde für die leise Stimme in mir, kann das zu einen neuen Blick auf mich und andere führen. Zuhören ist eines der schönsten Geschenke, die wir einem anderen machen.

Kann man lernen, ein guter Zuhörer zu werden?

Es geht dabei nicht darum, harte Arbeit zu leisten, sondern eine andere Einstellung zu gewinnen. Lassen Sie als ersten Schritt einfach die Vorstellung zu, dass jede Begegnung mit einem anderen Menschen einen Schatz an Erfahrung, Information oder Erkenntnis enthalten kann. Das gelingt am besten wenn Sie folgende Punkte beachten:

 

Weg vom Egotrip

Stellen Sie für einige Zeit ihre eigenen Angelegenheiten zurück und konzentrieren Sie sich auf den Sprecher. Sie sind zweifellos interessant, aber der andere ist es auch. Und deshalb ist jetzt er/sie mit reden dran. Die grundlegende Einstellung „Ich bin ok, du bist ok“ leistet dabei gute Dienste.

Geben Sie Vorurteile auf

Meist fällen wir schon bei der ersten Begegnung die Entscheidung, ob es sich lohnt, einer Person zuzuhören. Entspricht sie nicht unseren Vorstellungen bezüglich Geschlecht, Alter, sozialem Status, ethnischer Zugehörigkeit oder äußerem Erscheinungsbild verblassen die Worte oder wir nehmen sie erst gar nicht auf.

Schluss mit Besserwisserei und Sturheit

Wer immer recht hat oder ausschließlich auf seinem Standpunkt beharrt ist nicht nur als Zuhörer ungeeignet, sondern auch als Mensch mühsam. Sie sind toll und Sie haben sicher recht. Aber eben nicht immer.

Dem Einfühlsamen gehört die Welt

Finden Sie es schön, wenn jemand Sie versteht, mit Ihnen fühlt und damit eine Atmosphäre von Wärme erzeugt? Eben. Gehen Sie also ruhig davon aus, dass auch Ihr Gesprächspartner von so einem Ambiente sehr angetan ist.

Unterlassen Sie Werturteile

Wer Gehörtes sofort in die Kategorien „gut“ und „schlecht“ aufteilt, kann nicht mehr so zuhören, dass der andere auch etwas davon hat. Richtig und falsch sind sowieso relative Begriffe, die je nach Situation variieren. Lassen Sie keine Gelegenheit aus, zuzuhören, ohne sofort zu werten. Das ist nicht nur für den anderen entlastend, sondern auch für Sie.

 

Vermeiden Sie „Killerphrasen“

Es gibt Sätze, die den anderen regelrecht stoppen und außer miesem Klima nichts bewirken. Dazu gehören: „Das bildest du dir doch nur ein“, „Musst du immer so ein Theater machen?“, „Wie bist du nur auf diese Idee gekommen?“ „Was war denn schon wieder los?“. Solche Aussagen kränken, werten den Anderen ab und verhindern damit eine sinnvolle Kommunikation.

Verkneifen Sie sich den „guten Rat“

Vielleicht sind Sie ja der Meinung, dass nur Sie wissen was jemand braucht, um ein Problem zu lösen. Wunderbar, wenn der andere es auch so sieht und gierig darauf wartet, dass entsprechende Weisheiten von Ihren Lippen perlen. Entspricht das aber nicht den Tatsachen, ist es klüger, wohlmeinende Ratschläge für sich zu behalten. Sie werden mit eine bisschen Sensibilität spüren, ob diese wirklich erwünscht sind, oder sich der andere einfach nur aussprechen möchte.

Nutzen Sie die Kraft des Schweigens

Positives Schweigen vermittelt nicht Desinteresse oder Langeweile, sondern lässt dem Gesprächspartner die Möglichkeit zu erzählen und auch Schmerz, Wut oder Angst zu benennen. Ich höre dann nur zu, aber die Art,  w i e ich das mache, vermittelt Geborgenheit und Angenommensein.
Gutes Zuhören verbessert bei uns und Anderen die körperliche und seelische Gesundheit. Besseres Verständnis füreinander fördert auch Gelassenheit und innere Ruhe, was wiederum einen positiven Effekt auf Körper und Seele hat. Das Selbstwertgefühl wird gestärkt, weil wir signalisieren: „Du bist wichtig. Ich nehme mir Zeit für dich“.Wir helfen unserem Gegenüber, Stress abzubauen und tragen so dazu bei, dass sein Blutdruck sinkt, das Immunsystem gestärkt wird und ein eventuelles Magengeschwür im optimalen Fall gar nicht erst entsteht. Für Zuhörer selbst sinkt laut einer Studie sogar die Sterblichkeitsrate, weil gute Sozialkontakte das Leben erwiesenermaßen verlängern.

 

Üben Sie dieses Verhalten mit mit. Bringen Sie Freunde oder Bekannte mit. Vielleicht üben wir dies bei einer Tasse Kaffee in einem Café?

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Titel Photo by Trung Thanh on Unsplash

Quelle (Sabine Standenat, 2016)