Zum Jahreswechsel 2021

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Liebe Freunde und Wegbegleiter.

Das Beste an Jahr 2020 war für mich….Wie ergänzt Du diesen Satz?

Für mich ist es die Erkenntnis, dass es keinen Ruhestand geben kann für die Vertretung der eigenen Interessen. Es geht dieses Jahr, mehr als die vergangenen Jahre, um unsere persönliche Freiheit. Das heißt für mich, den eignen Standpunkt inhaltlich hinreichend tief verstehen, um ihn überzeugend vertreten zu können.


Der Konflikt

Eines der Bücher, die ich dieses Jahr las, war deshalb das Buch „Konflikt“ von R.K.Sprenger, aus dem ich hier zitiere.

Harmonie gilt für die meisten von uns als Idealzustand. Dabei sind Konflikte das, was uns weiterbringt. Konflikte sind nicht schädlich, sondern wichtig. Der Konflikt wird meist missverstanden- sagt Reinhard K. Sprenger. Er scheint zu spalten, aber er fügt doch zusammen. Ein echtes Wir kann es nur über Konflikte geben. Dabei ist der Spruch, „Es ist nichts Persönliches“ entlarvend und schlichtweg falsch: Immer dominiert die Beziehungsebene die Sachebene.
Wenn Schweigen schuldig macht, wenn Zurückhaltung Zustimmung bedeuten würde, die man nicht geben will, weil die Selbstachtung auf dem Spiel steht – dann sollte man mit Elan in einen Konflikt einsteigen. Niemals aber nur, um recht zu behalten. Niemals werden Sie mehr über jemanden erfahren und über das, was den anderen und einem selbst wichtig ist, als wenn man dafür in den Konflikt geht!
Leben heißt: Widersprüche verwalten – in der Gesellschaft, im Unternehmen, in privaten Beziehungen und in sich selbst. Das Ziel des Konflikts ist nicht der Konsens, sondern dass [gemeinsame] Weitermachen. Das setzt voraus, die Perspektive des anderen als Bereicherung zu erleben und die eigene Position zu relativieren.

Wie einen Konflikt steuern?

Hier bin ich auf den österreichischen Organisationsberater und Konfliktforscher Friedrich Glasl und sein Modell zur Konflikteskalation bzw. -lösung aufmerksam geworden. Seine Unterteilung in drei Hauptphasen  des Konflikts lassen unterschiedliche Lösungen und Möglichkeiten zur Schadensbegrenzung zu. Da gibt die Aussicht auf eine Win-Win Situation, bei der wir alles selbst in der Hand haben.  Dann der möglicherweise zu schnell eintretenden Win-Lose Ausgang, wo wir die sachliche Ebene verlieren und eine Partei den Kürzeren zieht. Tritt eine Lose-Lose Situation ein, gibt es nur noch Verlierer- wir benötigen Hilfe Dritter. Im Bild gesprochen, stehen beide Parteien am Abgrund. Ich glaube diese Kategorien sind gut spürbar und daher auch zur Steuerung der Gesprächstemperatur gut anzuwenden.

Was im Vorgenannten so „logisch“ klingt bedeutet meistens doch widerstreitende Positionen länger auszuhalten. In unserem inneren Dialog müssen wir nur allzu oft mit widerstreitenden Ideen leben. Wir können und müssen nicht immer eine einheitliche, verlässliche Sicht der Dinge einnehmen. Wir brauchen doch beides! Und ist nicht gerade dieses Abwägen, das Zweifeln, das eine bereichernde Dynamik entstehen lässt? Was wir dazu benötigen ist  „Ambiguitätstoleranz[1].  Sie ist die Fähigkeit eines Menschen, mit Unsicherheiten, Mehrdeutigkeit und widersprüchlichen Handlungen oder Informationen umzugehen und diese zu ertragen. Es wird auch von Unsicherheitstoleranz gesprochen. Abgeleitet wird der Begriff aus dem Lateinischen „ambiguitas“ (Mehrdeutigkeit) und „tolerare“ (ertragen). Eine ausgeprägte Ambiguitätstoleranz lässt uns in unsicheren Situationen diese „als solche“ akzeptieren und verbessert unseren Umgang mit und die Reaktion auf Ungewissheit.
Mangelt es uns als Bürger der Zivilgesellschaft daran oder wird wie gegenwärtig, ein stilles Mitmachen gefordert, ohne das Für und Wider offen besprechen zu können, werden differenzierende Positionen und Lösungsansätze ausgeschlossen.

Und dann meine Frage: wo wäre dazu heute das Forum?

Wie wir unser inneres Bild der Welt gestalten
Die Landkarte ist nicht das Gebiet. Derjenige von uns der Wandert oder mal mit einem Charterboot zur See gefahren ist und einen ihm unbekannten Weg anhand der Karte sucht, kennt das: Die Wirklichkeit ist vielfältiger. Die Wegzweigung ist klar auf der Karte, doch oft unscheinbar in der Realität und wird übersehen. Wo bist Du mit Deiner inneren Landkarte dieses Jahr abgebogen und suchst jetzt Orientierung?

Sprache und Verhalten; Informieren und Manipulieren

…“darüber gesprochen zu haben“ ist schon der halbe Weg zur Lösung. Schwierige Themen „sprachfähig“ machen– ist mein Angebot in Beratung und Coaching. Auf Basis eines Humanistischen Weltbildes suche ich mit meinen Coachee die als störend und die belastend empfundenen Annahmen des bisherigen Weltbildes. Mit Hilfe unserer Sprache konstruieren wir sehr wirkmächtig unsere Wirklichkeit. Wir äußern dabei Fragen, Wünsche, Stimmungen und gehen beim Sprechen/Formulieren von bestimmten eigenen Sichtweisen (Erfahrungen) aus. Dabei lassen wir viele Informationen weg, da sie vor unserem Erfahrungshintergrund „klar“ sind.

Das NLP-Metamodell der Sprache unterscheidet zwischen einer Oberflächenstruktur (das, was wörtlich gesagt wird) und einer Tiefenstruktur (die Bedeutung) für den Sprecher- seiner „Karte der Welt“ mit seiner subjektiven emotionalen Wirklichkeit.

Beliebte Metamodellverletzungen (also ein bewusstes Abweichen der Oberflächenstruktur von der Tiefenstruktur) sind Tilgung, Verzerrung und Generalisierung. Man kann sie auch Gestaltungsprozessen nennen, mit deren Hilfe wir Menschen unsere eigenen Landkarten und/oder Weltmodelle konstruieren. Bei dem Prozess der Tilgung blenden wir wesentliche Informationen aus. Wenn ein Mensch tilgt, löscht er Teile seiner ursprünglichen Erfahrung. Bei der Verzerrung sehen wir etwas durch die rosarote Brille. Bei einer Generalisierung werden Verallgemeinerungen wie „immer, niemals“ gebraucht. Der Umgang mit unseren Erfahrungen wird verkürzt dargestellt, was meist hilfreich ist, wenn der andere uns versteht. In einen guten Dialog kommen wir jedoch nur, wenn wir unsere Beweggründe gut kennen und dem anderen Verständlich machen können. Wollen wir andere und uns selbst Überzeugen, nutzen wir zusätzliche Strategien und Muster. Robert B. Cialdini, Professor für Psychologie an der Arizona State University, hat sich in dem Buch „Die Psychologie des Überzeugens“ mit dem Untertitel „Wie Sie sich selbst und Ihren Mitmenschen auf die Schliche kommen“ untersucht.

Hier einmal einige Beispiele aus einer Rezension von Roland Kopp-Wichmann: Prinzip Gegenseitigkeit: Erst geben, dann nehmen. Oder dass der Konsistenz: Ich stehe zu dem, was ich gesagt oder getan habe. Soziale Bewährtheit sagt zu mir/den anderen: So viele Menschen können sich nicht irren- und mit der Sympathie vertrauen wir jemanden, der uns sympathisch vorkommt. Am auffallendsten ist das Prinzip Autorität: da zählt … eine Uniform… ein Statussymbol… die Medienpräsenz… die Kleidung… ein Titel… oder auch die Körpergröße.

Was mir gegenwärtig sehr bewusst begegnet ist eine auffallend gleichlautende Berichterstattung. Manipulation wird ja verstanden als unbewusste, unterschwellige Beeinflussung. Wie funktioniert Manipulation? Hier die  „6 häufigsten Techniken der Manipulation“ . Kurz gesagt sind es diese: Manipulation durch Wiederholung: Impfen, Durchimpfen, Impfgegner, verimpfen und jede Menge Bilder. Dazu die Manipulation durch Erzeugen von Angst: Sterben, Risikogruppe, dauerhaft krank, was ja das Denken schon manipuliert, weil nicht mehr in Pro/Contra die Sache erörtert wird. Dazu die Manipulation des Verhaltens durch Sprache, das bestimmte Themen nicht differenziert, also evidenzbasiert versucht werden zu beantworten, sondern z.B. Zweifler an der Verhältnismäßigkeit Maßnahmen umgehend „Corona-Leugner“ werden. Das alles führt zur Manipulation von Informationen, wenn ausschließlich über das Impfen berichtet wird, nicht aber über die Verbesserung des Immunsystems gesprochen wird-also Alternativen zur offiziellen Regierungspolitik zu Sprache kommen. Auch wird immer und immer wieder über die hohe Auslastung der Intensivbetten berichtet, was aber auch einen deutlichen Hinweis auf die personelle Unterbesetzung in diesem Bereich erfordern würde. Unser Bedürfnis zu helfen wird so manipuliert. Jürgen Höller, aber auch Kaiser TV tragen zum Verständnis bei.

Die Metapher vom „Elefanten und Reiter

Man stelle sich einen Elefanten vor, auf dem ein kleiner Reiter sitzt. Das Bild des Elefanten steht hierbei für das limbische System in unserem Gehirn, also der Teil, der für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Der Reiter steht im Gegensatz zum Elefanten für den Neocortex in unserem Gehirn, welcher vor allem für unsere Logik verantwortlich ist. Der Reiter kann den Elefanten zwar prinzipiell steuern, aber nur so lange, wie der Reiter die nötige Verbindung zum Elefanten hat. Ist es ein Reiter mit schwacher Führung, übernimmt der Elefant womöglich die Kontrolle- die er auch übernimmt, wenn er etwas unbedingt will. Folgt der Elefant seinem Verlangen, hat der Reiter dem wenig entgegen zu setzen.

Um langfristig deine Ziele zu erreichen, muss dein Reiter (Logik) deinen Elefanten (Emotionen) von seinem eingeschlagenen Weg überzeugen und in die gleiche Richtung lenken. Das funktioniert jedoch nur, wenn du den Elefanten auf der emotionalen Ebene überzeugst, denn das ist die einzige Sprache, die der Elefant spricht.

Was sind nun die bestimmenden Antipoden in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung.

Wir Menschen benutzen unseren Verstand oft, um ein bereits getroffenes emotionales Urteil zu bestätigen – während wir uns einbilden, ergebnisoffen Für und Wider zu prüfen. Unser Gehirn, sagt Jonathan Haidt mit einigem Bedauern, hat sich eben nicht dazu entwickelt, um in jedem Moment die Wahrheit zu enthüllen, sondern um uns beim Überleben in einer komplexen sozialen Umwelt zu helfen. Und da sind unser Ruf und unsere Stellung in der Gemeinschaft eben oft viel wichtiger als Wahrheit. Die Moraltheorie von Haidt hat viele interessante Implikationen, gerade für ethische Führung. Insbesondere zeigt sie, warum es so schwer ist, sachlich zu diskutieren, wenn moralische oder Machtpolitische Urteile im Spiel sind: Aufgrund des intuitiven Urteils, der nachgeordneten Begründungssuche, und aufgrund zum Teil unterschiedlicher moralischer Fundamente, greifen rationale Argumente oft ins Leere. Entsprechend ist es notwendig, bei Themen mit einer moralischen Bewertung zuerst eine positive gemeinsame Beziehung herzustellen. Man muss zuerst den „Elefanten“ dazu bewegen, sich in die gewünschte Richtung zu orientieren.

Die 6 Dimensionen moralischer Bewertungen nach Haidt

Fürsorge vs. Schädigung

Es ist unmoralisch, anderen Menschen Leid zuzufügen- also andere womöglich (unwissentlich) anzustecken. Dem „neuen“ Virus wird eine überaus große Gefahr zugeschrieben, die nur mit einem wie auch immer benennenden Lockdown zu begegnen ist, denn das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört zu den Grundrechten eines Menschen nach dem Deutschen Grundgesetz. Deshalb sollen wir den Grundsatz befolgen, sich so zu verhalten als wäre man selbst krank. Aber macht diese Vorstellung nicht erst recht krank? Wo bleibt dabei die Selbstfürsorge? Wir erleben einen Entmachtungsversuch auf die Selbstfürsorge durch eine übergriffige Fürsorge des Staates. Wenn ich mich habe ärztlich behandeln lassen, wurden mir vor OPs immer alle Risken erklärt, die ich dann eigenverantwortlich eingehen musste und dann auch wollte. Gegenwärtig besteht das Impfversprechen bestenfalls darin „einen nicht so starken Krankheitsverlauf“ zu erleiden. Ich bleibe ansteckend. Deshalb soll und kann das soziale Leben nicht zurück in die „Normalität“. Das Impfen kann doch bestenfalls eine mögliche Methode sein diese Krise zu bewältigen.

Wenn Automatismen und übliche Handlungsmuster nicht mehr funktionieren, empfinden wir etwas als Krise. Das definierende Kriterium einer Krise ist, dass unser Selbstbild und unsere Identität in Frage gestellt wird, was eine der größten psychologischen Bedrohungen für einen Menschen darstellt. Die Opferrolle hilft dabei nicht, sie macht einen nur wahrhaftig zum Opfer. Eine negative Grundbewertung von Dingen, ein Katastrophisieren, großer Pessimismus, auch das Einreden von Hilflosigkeit führen oft zu übertriebenen und vor allem unnötigen Stressreaktionen, die sehr erschöpfend sind. Das kann bei manchen Menschen zu einer psychischen Erkrankung führen. Sich seiner typischen Bewertungs- und Reaktionsmuster bewusst zu werden, ist oft der erste Schritt. So werden kreative Kräfte frei gesetzt , Menschen erfinden sich neu, verändern ihr Weltbild und können ihr Leben sogar zum Positiven verändern.

Aber: Woher kommt dieser Drang, diese Art von Fürsorge nach dem „durchimpfen“, wie das so viele Politiker jetzt in den Mund nehmen? Hier ein Vortrag der sehens-/hörenswert ist. Wir sind und bleiben selbst verantwortlich für uns. Die Annahme von Hilfe Dritter, konsultativ zur Stärkung des Immunsystems (hier ein Vortrag) ist geraten, das Outsourcen an Ärzte, ist doch das letzte Mittel, wenn unsere Selbstfürsorge nicht mehr reicht.

Fairness vs. Betrug

Hier geht um Gleichbehandlung bzw.um das Vermeiden von Benachteiligung. Alle sozialen Werte – Freiheit, Chancen, Einkommen, Vermögen und die sozialen Grundlagen der Selbstachtung – sind gleichmäßig zu verteilen, soweit nicht eine ungleiche Verteilung jedermann zum Vorteil gereicht. Heute jedoch werden Restaurants, Theater, Kinos oder Fitness-Center geschlossen, vollbesetzte Bahnen und Busse bringen Menschen zu Arbeitsstellen und Schulen. Ist das Gleichbehandlung? Ist das fair? Werden die Schüler und Lernenden nicht um Ihre Gestaltungsfreiheit betrogen? Künstler erleben ein Berufsverbot, während in den Fabriken unter C-Bedingungen gearbeitet wird. Es das ein fairer Umgang?

Loyalität vs. Verrat

Hier geht es um Bindung an Werte (z.B. AHA + Lüften Regel) und Einstellungen zu einer Bezugsperson oder zu Bezugsgruppen. Wer plötzlich, wie die FDP in die Opposition geht, ereilt in Teilfragen schon bald ein bayrischer Bannstrahl. Die Grünen können gar nicht staatstragend genug ihre Bereitschaft zu regieren unter Beweis stellen. Die Volksgemeinschaft ist zurück, meint Jan Fleischhauer. Das Ideal einer Gesellschaft, in der Egoismus und Eigensinn keinen Platz mehr haben und alle sich einem großen Ziel verpflichtet fühlen, war etwas aus der Mode geraten. Die Pandemie hat auch das verändert. Die Volksgemeinschaft ist jetzt das Virus-Kollektiv.

Wenn gestern noch Querdenker und Demos die „Superspreader (also Verräter) waren, wurden das die feiernden Jugendlichen und Reiserückkehrer, bis sehr bald in Garmisch diese als solche nicht ursächlich auszumachen waren. Das ist, jede Woche eine andere Sau durch Dorf treiben. Es braucht nicht viel, um sich außerhalb zu stellen. Die Maßstäbe, was akzeptabel ist und was nicht, schwanken. Das macht die Sache nicht leichter. Anfang Dezember galt der Weihnachtseinkauf noch als patriotische Tat, jetzt ist er also als asozial geächtet. (…) Schon der unüberlegte Genuss eines Glühweins kann einen zum Volksschädling machen. Was heißt Volksschädling? Zum potenziellen Mörder! Wer dachte, er könne das Weihnachtsfest retten, indem er schnell noch bei Amazon bestellt, dem redete der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet nun ins Gewissen. Die Losung: nicht online bestellen, sondern Gutscheine schreiben, die man dann im Januar oder im Februar einlöst – oder wann immer die Geschäfte wieder öffnen, wie Laschet in bemerkenswerter Offenheit sagte.

Respekt/Autorität vs. Geringschätzung

Hier geht es um hierarchisches Beziehungsmuster, Unterordnung und Akzeptanz von Verhaltensanweisungen. Polizeistreifen, um die Maskenpflicht durchzusetzen in Fußgängerzonen. Überall sitzen dann die Sittenwächter, beobachten den Nachbarn und melden.
Melden macht frei…hieß es beim Bund früher. Dem steht ein Humanistisches Menschenbild gegenüber.

Zitat
Da Autorität immer mit dem Anspruch des Gehorsams auftritt, wird sie gemeinhin für eine Form der Macht, für einen Zwang besonderer Art gehalten. Autorität jedoch schließt gerade den Gebrauch jeglichen Zwangs aus, und wo Gewalt gebraucht wird, um Gehorsam zu erzwingen, hat Autorität immer schon versagt.“ Hannah Arendt

Reinheit vs. Unreinheit

Hier geht es um Reinheit: Freisein von Verschmutzung, Unberührtheit. Im Hinduismus ist Reinheit das Vermeiden von Berührungen von Personen einer niedrigeren Kaste. Im Christentum ist Reinheit die Einhaltung der christlichen Tugenden, insbesondere der Keuschheit. Wiederherstellen können wir unsere Reinheit durch Waschungen, Opfergaben, Fasten, Beichte.

Die Hygiene, hier einmal als Reinheit gleichgesetzt, wird als Moment der Disziplinierung von Individuen und Regulierung der „Bevölkerung“ benutz und bedient sich begrifflich der medizinischen Normalität, bei der alles Abweichende von dieser medizinischen Normalität als pathologisch begriffen und in den Kategorien „gesund“ und „krank“ begriffen. Krankheit wird subjektiv empfundenen oder objektiv an feststellbaren Symptomen und Organ- und Funktionsbeeinträchtigungen festgestellt, die behandelt werden können oder müssen. Die Tage gab es das in der ARD den Film „Werk ohne Autor“ der in Aspekten auch dieses Thema berührte.

Der auffälligste Begriff dieses Jahr ist der des „social distancing“. Er kann als „soziales separieren“ verstanden werden. Härte klingt „absondern“. Verstehbar ist, dass ich einen anderen nicht anstecke und auf „Abstand“ gehe und die schon immer geltenden AHA-Regeln praktiziere. Soziale Distanz führt zu dem Konzept des Lockdowns, bei dem Menschen separiert werden. Gesunde sollen geschützt werden. Sie sollen sich aber auch wie ein „Infizierter“ verhalten oder als „symptomlos Kranker“ um andere nicht anzustecken.
Reinheit wir hergestellt durch Keuschheit…im Kontakt mit anderen, durch Waschungen …Hygienetücher in Supermärkten und übermäßiges Händewaschen zuhause und dem „Opfer des „maske-tragens“ sogar im Auto wenn man alleine unterwegs ist und im öffentlichen Bereich.

Dazu im Gegensatz beschreibt die Salutogenese, hier erklärt von Gerhard Hüther, Gesundheit als einen Zustand, in dem Menschen wenig krank… und Krankheit als einen, in dem sie wenig gesund sind. Zwischen diesen beiden Polen gibt es verschiedene Abstufungsgrade, wobei es darum geht die gesundheitlichen Anteile zu vermehren und dadurch gesünder zu werden. Denke ich so über mich, stärke ich alle Elemente der Selbstfürsorge und es entsteht eine Kohärenzgefühl, das unsere psychische Widerstandsfähigkeit erhöht und uns so hilft Herausforderungen zu meistern. Der Blick auf die Sinnhaftigkeit von Lebensvorgängen veranlasst Menschen dazu zu verstehen, dass ihre Handlungen einen Wert unabhängig vom Ausgang haben.

Das schließt die AHA-Regeln nicht aus, stellt sie aber in einen Kontext der Selbstfürsorge und würde einen weitaus differenzierteren Umgang im Leben herausfordern. Das wird kommen, denn am Ende des Geldes müssen wir alle wieder Geld verdienen. Das führt zu einem wesentlich anderen Thema.

Freiheit vs. Unterdrückung

Hier geht es um Freiheit als Selbstbesitz und Selbstsein-Können. Negativ: Freiheit von etwas und Positiv: Freiheit für etwas

Gegenwärtig schwankt der Ton zwischen Kanzel und Kasernenhof, beziehungsweise zwischen Predigt und Anschiss. Ich werde störrisch, wenn man mich anschreit. Zu viel „Leugnung, Egoismus und Renitenz“ hätten den Lockdown unausweichlich gemacht, erklärte der ZDF-Chefredakteur Peter Frey im „heute journal“. Keine Ahnung, was beim ZDF los ist? (…) Oder sie sind dort alles heimliche Mitglied einer Art Fernseh-Opus-Dei, bei dem nur diejenigen weiterkommen, die besonderen Glaubenseifer zeigen und sich noch mehr geißeln. Einen interessanten Einblick in die Sendeanstalten liefert Dirk Pohlmann in diesem Vortrag.

Viele Lockdown-Befürworter sind erstaunlich unbekümmert, was die wirtschaftlichen Folgen angeht.
Zitat
Ich bin in der letzten Zeit allenthalben erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit erschallte. Wo aber sollen wir hinkommen, und wie wollen wir den Fortschritt aufrechterhalten, wenn wir uns immer mehr in eine Form des Zusammenlebens von Menschen begeben, in der niemand mehr die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bereit ist und schließlich jeder die Hand in der Tasche des anderen hat“. Ludwig Erhard

So wie überhaupt der Generalimpuls an die Gesellschaft unterdrückt wird, die abgegrasten Wiesen der Industriegesellschaft 1.0 zu verlassen und sich – vermittelt durch Weiterbildung und Tarifverträge, die diese fördern – auf die höheren Weiden der Industrie 4.0 zu begeben. Nach der Dampfmaschine, der Massenproduktion sowie der Automatisierung der Produktion durch Elektronik und Informationstechnik nun ein nächster Schritt. Was kann Industrie 4.0 sein?…und was sind deren Philosophischen Grundlagen dieser Technologie: Hauke Ritz: Technologie der unfreien Welt – Teil 1: Der Quellcode

Soweit einmal die moralischen/emotionalen Begriffspaare nach Haidt, die für mich die Lebenswirklichkeit eines Gesprächspartners besser begreifbar machen kann. Um zur Metapher vom Elefanten und Reiter zurückzukommen: Wir müssen die Gefühlswelt des anderen respektieren, um in ein produktiven Dialog zu kommen

Am Ende des staatlichen Geldes werden wir alle wieder arbeiten gehen, lehren und lernen, spielen und tanzen, bedienen müssen und wieder genießen können. Unsere Freiheit ist nicht das Virus „in den Griff“ zu bekommen, ihn zu besiegen, sondern mit ihm zu leben, wie mit anderen Grippeviren auch. Ich hoffe, mein Beitrag hilft, dass sich Menschen, die sich bewusst sind, dass die „Landkarte nicht die Welt“ ist, die wissen, dass wir uns unser inneres Abbild der Welt selbst immer wieder konstruieren, dass diese Menschen den Weg des Diskurses beibehalten und das weitere Menschen hinzukommen. Es gilt die Annahme, der andere könnte doch Recht haben.

Gerne sprechen wir darüber per Telefon, Skype, Teams oder andere Medien. Hier meine gefundenen Antworten.

 

Ein gutes und gelingendes Neues Jahr 2021

 

 

P.S. Am Ende ist alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.

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